UBF - Unabhängige Berater für Fassadentechnik e.V.

Fachingenieurleistung Fassadentechnik

 

Fassade, ein entscheidendes Funktionselement mit hohem Gestaltungsanspruch

 

Richtige Koordination der vielfältigen Funktionen erfordert besondere Fachkompetenz. Falsche oder unvollständige Umsetzung der Anforderungen führt zu erheblichen Fehlinvestitionen und Folgekosten. Anspruchsvolle Architektur erfordert hohe technische Kreativität zur Erzielung wirtschaftlicher und funktionsgerechter Lösung.

 

  • Ziel

    Hauptziel des Fachingenieurs für Fassadentechnik ist die Gesamtplanung der Gebäudehülle mit dem Schwerpunkt Fassade und transparente sowie hinterlüftete Dachkonstruktion. Im Vordergrund steht hier der konstruktive Entwurf zwischen Natur und Umwelteinflüssen einerseits und Raum und Nutzungsbedingungen andererseits. Die Gebäudehülle, und hierbei insbesondere die Fassade, bestimmen die gesamte Funktion des Gebäudes hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und der Unterhaltungskosten. Sie stellen heute als multifunktionales Bauelement das Bauteil mit den höchsten Anforderungen an Funktion, Beständigkeit, Reversibilität und Gestaltung dar.

  • Rückblick

    In den fünfziger Jahren erfuhr das Außenbauteil Massivwand mit dem Bauteil Lochfenster einen Entwicklungsschub, es entstand die leichte Außenwand mit integriertem Fenster.

    Mit dieser leichten Außenwand einer eigenständigen, alle bauphysikalischen Aufgaben übernehmenden Außenhaut war ein neues Bauteil entstanden. Die Besonderheit bestand darin, dass sich die daraus entwickelnde, moderne Fassade als nicht tragende Außenwand versteht, die zeitlich parallel zur Rohbauerstellung in einem gesonderten Werk gefertigt werden kann.

    Die aus den USA eingeführten Fassaden bestimmten mit ihren Komponenten Metall, Glas und Naturstein in zunehmendem Maße den Fassadenbau von Großobjekten in Deutschland. Heute sind wir hinsichtlich der multifunktionalen Fassaden den USA voraus.

  • Situation

    Die Fassade als Grenzbereich zwischen Innenund Außenraum ist mehr als ein Witterungsschutz. Die Gebäudehülle muss sich den individuellen Behaglichkeitsansprüchen des Nutzers anpassen und damit den Ansprüchen an eine umwelt- und klimagerechte Konstruktion gerecht werden.

     

    Aspekte, wie z.B.

     

        sommerlicher und winterlicher Wärmeschutz

        Tauwasser- und Witterungsschutz

        kontrollierte Luftströmung

        Temperaturentwicklung

        Klima und Lüftungsfragen

        Reinigung, Pflege und Unterhalt

        Schallschutz

        Korrosionsschutz

        Brandschutz

        Objektschutz

     

     

    sind genauso wichtig, wie Klären

     

        der Aufgabenstellung

        Entwicklung

        und Bewertung von alternativen Lösungen

        Fragen der Wirtschaftlichkeit

     

     

    Rund 15 bis 25 % der Baukosten werden bei Großobjekten in das Gewerk Fassade investiert. Die Komplexität und die Kürze der Bauzeiten machen die Risiken deutlich. Neben der technischen Gebäudeausrüstung handelt es sich bei der Fassade um eines der schwierigsten Bauteile. Speziell im Bauwesen werden große Objektsummen ohne das erforderliche Maß an Qualitätskontrolle bewegt.

  • Probleme und Konflikte

    Bisher gibt es keine einheitlichen Kriterien der Qualifizierung dieser Fachingenieurleistung und kein von den Behörden definiertes Leistungsbild für Fassadentechnik. Erste Ansätze in der Ausbildung an Fachhochschulen etablieren sich. Irrtümlicherweise wird immer noch davon ausgegangen, dass der Architekt alles können muss.

    Es ist zu wenig bekannt, dass die moderne Außenwand sich von der konventionellen Bauweise entfernt hat. Die Fassadentechnik hat sich zu einem Spezialgebiet mit Elementen des Maschinenbaues, Leichtbaues, Metallbaues, Glaswesens und der Haustechnik etc. mit hohen bauphysikalischen Anforderungen entwickelt. Dies entspricht nicht mehr dem Leistungsbild des § 15 der HOAI und ist als zusätzliche Leistung zu sehen.

     

    Heute bieten die unterschiedlichsten Gruppen wie Fassadenbaufirmen, Systemhersteller, firmenoder produktbezogene Konstruktionsbüros ihre Unterstützung an.

    Für den Auftraggeber ist aus den Angeboten in diesem Bereich nicht erkennbar, welches Leistungsspektrum hinter dem jeweiligen Angebot steht. Firmen oder produktbezogene Beratung und Planung kann nicht unabhängig sein. Berechtigte Produkt- oder Firmeninteressen dürfen die Grundlagen der Planung nicht beeinflussen. Die Auswahl, Modifikation und der Einsatz von Systemen kann nur am Ende der Planungsleistung stehen. Dem muss eine unabhängige Analyse und Grundlagenplanung vorausgehen.

     

  • Wirkungsfeld

    Anhand der Kurzpräsentationen unserer Mitglieder wird die Tätigkeit und damit das Berufsfeld des Fachingenieurs Fassadentechnik näher erläutert. Der Nutzen für den Bauherren und den Architekten ist in diesen Präsentationen klar ablesbar.

    Das zentrale Anliegen des Architekten ist die Fassadengestaltung. Mit den vorgenannten Entwicklungen einhergehend ist die Vielfalt der technischen Lösungen und Detailaspekte enorm gestiegen, für den Architekten kaum noch umsetzbar.

    Für den Bauherren ist die Wirtschaftlichkeit eines Objektes Maß der Dinge. Die Fassadenentwicklung hat einen gravierenden Anstieg des Wertanteils Fassade am Gesamtobjekt mit sich gebracht.

    In den gewachsenen Planungsstrukturen arbeiten dem Architekten bisher Fachingenieure für Statik, Heizungs-/ Lüftungs-/ Klimatechnik, usw. zu. Der Fachingenieur Fassade als unabhängiger Berater für Fassadentechnik zur Umsetzung der Ziele des Bauherren und des Architekten ist noch immer nicht die Regel.

    Entsprechend der Bedeutung des Gewerkes Fassade ist die Einschaltung dieses Fachingenieurs als Sonderfachmann angezeigt, damit Architektur und Wirtschaftlichkeit nicht auf der Strecke bleiben und technische sowie bauphysikalische Risiken minimiert werden.

    Den Nutzen hat der Bauherr und Architekt gleichermaßen.